25Sep, 2017

Woran scheitern Geschäftsmodelle und Digital-Projekte?

Endlich ist es soweit: Sie haben in mühevoller Kleinarbeit ein digitales Geschäftsmodell entwickelt, es theoretisch von vorne bis hinten durchleuchtet und auf Schwachstellen überprüft. Also übermitteln Sie frohen Mutes die Anforderungsliste an den Programmierer Ihres Vertrauens und nach ein paar Wochen ist ihr Projekt online. Und während die Monate ins Land ziehen und die Analytics Berichte Ihrer Website eine ganz andere Geschichte erzählen, als jene, die Sie sich anfangs noch erträumt haben, wird Ihnen Eines langsam klar: Dass Ihr Geschäftsmodell theoretisch funktioniert, bedeutet leider noch lange nicht, dass Sie in der Praxis auch nur einen Cent damit verdienen.

Meine persönliche Erfahrung deckt sich weitgehend mit Studien, die angesichts des gravierenden Talentmangels in Deutschland ein eher düsteres Bild von der Zukunft digitaler Märkte zeichnen – zumindest für Unternehmen, die nicht gerade AirBnB und Uber heißen. Natürlich hat keiner der involvierten Stakeholder Ihres Projektes irgendein Interesse daran, Ihnen die Wahrheit über die gegenwärtige Wettbewerbssituation auf den allermeisten Online Märkten zu verdeutlichen, denn Aufträge jeder Art werden nur dann vergeben, wenn Sie als Initiator fest von Ihrer Idee überzeugt sind. Ob diese sich im Endeffekt als profitabel erweist, interessiert den Programmierer dahinter natürlich herzlich wenig.

Warum aber scheitern so viele Online Projekte, die von unerfahrenen Playern hochgezogen werden, bereits am eigenen Geschäftsmodell? Sollte man nicht annehmen, dass gerade Betriebswirte, Wirtschaftsinformatiker etc. penibel darauf achten, ein sauber strukturiertes Geschäftsmodell durchzuplanen, bevor man ein Projekt entwickelt und online stellt?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich mir eine kleine Excel Tabelle angelegt, die Projekte der vergangenen fünf Jahre aufgelistet und auf Überschneidungsbereiche untersucht. Gemeinsamkeiten, die fast jedes der gescheiterten Projekte aufweist: Die Idee bzw. das Geschäftsmodell stammte lediglich ein einziges Mal von einem erfahrenen Online Unternehmer. In den verbleibenden 13 Fällen kam die eigentliche Geschäftsidee aus den Hirnwindungen von Personen, die über keinerlei einschlägige Erfahrung mit Digitalen Projekten verfügten. Das Projektmanagement wurde ebenfalls fast ausnahmslos an unerfahrene Köpfe übertragen, die Zeit- und Ressourcenaufwand systematisch unterschätzten und damit bereits im Vorfeld für administrative Spannungen sorgten, die langfristig kein Projekt unbeschadet übersteht.

Zu guter Letzt habe ich die Projekte nach (geschätzten) Kosten bzw. Gesamtverlust geordnet und musste auch hier feststellen, dass der Einsatz vermeintlich günstiger Entwickler fast immer mit einem finanziellen Desaster einherging. So wurde die Entscheidung für geeignete Programmierer lediglich in 4 von 13 Fällen hinreichend objektiv getroffen; in den restlichen Fällen haben die jeweiligen Initiatoren im näheren Bekanntenkreis mehr oder weniger den nächstbesten „ITler“ angeheuert. Und jene ITler haben nun Mal gemeinsam, dass sie ihre Fähigkeiten systematisch überschätzen. Dies liegt wohl nicht zuletzt am Prinzip der Ausschreibung: Natürlich verspricht jeder Bewerber das Blaue vom Himmel, um den Auftrag zu ergattern. Und sofern keine Erfahrungswerte vorliegen, kann man dem Programmierer dahingehend nicht Mal einen besonders schweren Vorwurf machen, denn er tut lediglich, zu was wir ihn zwingen: Überversprechen, Nicht-erwähnen und im Hinterkopf längst planen, an welche Stelle welche Teile der Arbeit nach China und Indien ausgelagert werden. Weil vom veranschlagten Preis natürlich kein Mensch wirklich leben kann.

Der Kostenpunkt „Vertrieb“ wird massiv unterschätzt

Neue Unternehmen am digitalen Markt sind grundsätzlich der festen Überzeugung, sie würden nach einmaliger „SEO-Optimierung“ – oftmals dank besonders cleverem Dealmaking bereits im Preis für die Website enthalten, juhu! – genuggetan haben, um ein konstantes monatliches Besucheraufkommen und damit vollautomatische Kundenakquise zu gewährleisten.

Die Website wird als eine Art Schaufenster betrachtet und ihre Indexierung in Google und Co. als das Hochziehen der Jalousien am Morgen um interessierten Passanten einen Blick ins Warensortiment zu ermöglichen. Online stolpert aber niemand zufällig an einem Shop vorbei – online sucht man gezielt nach ganz konkreten Produkten, Problemlösungen, Shops. Und erfolgreich werden dabei ausschließlich jene Unternehmen sein, die den Suchenden das beste Ergebnis für ihre jeweiligen Anforderungen liefern. Nicht die zweitbesten und schon gar nicht die drittbesten.

Anstatt Ihren gesamten Online Shop also auf tausende Keywords zu optimieren, beginnen Sie zunächst mit einer einzigen Landingpage, einer festen Produktkategorie oder gar einem einzelnen Produkt. Es bringt Ihnen wirtschaftlich betrachtet weitaus mehr, der Marktführer für ein einziges Produkt zu sein, von dem Sie im Monat dafür aber auch zehntausend Stück verkaufen, als tausend unterschiedliche Produkte gelistet zu haben, von denen kein einziges besser als von der Konkurrenz präsentiert wird. Ergo: Ihr Ziel darf nicht lauten, der erfolgreichste Haushaltswaren Online Shop Deutschlands zu sein, sondern vielmehr der erfolgreichste Anbieter von Sarkosan Pumpspray 500ml im Vorratspack in den mobilen Suchergebnissen von Google für User aus dem Südwesten Deutschlands. Brechen Sie Ihre Ziele in kleine Etappenziele nieder und begnügen Sie sich vorerst damit, diese „Mini-Ziele“ als den übergeordneten, höheren Sinn Ihres Geschäfts zu verstehen.

Aus Hunden werden keine Katzen (und vis-a-vie!)

Aus unternehmerischer Sicht ist das Verhalten nachvollziehbar, möglichst vorhandene Ressourcen einzusetzen und ordentlich auszulasten, als neue ins Unternehmen zu bringen. Schließlich bedeutet neues Personal nicht nur horrende monatliche Zusatzkosten sondern auch eine gewisse Einarbeitungszeit, Fortbildungen etc.

Jetzt ist das Anforderungsprofil an Online Marketer im Jahre 2017 allerdings ein derart eigenständiges, dass nicht einfach eine Stellenausschreibung von vor 30 Jahren genommen wird und lediglich die Stellenbezeichnung ausgetauscht wird. Für Unternehmer, die sich nicht näher mit der Materie SEO/SXO etc. befassen (wollen), liegt es dennoch irgendwo nahe, dass die Anforderungen an die Marketing-Verantwortlichen im Unternehmen gewisse Überschneidungsbereiche aufweisen mit den konventionellen Marketing-Positionen.

Online Marketer einstellen: Was Personaler wissen müssen & worauf zu achten ist!

Endlich ist es soweit: Sie haben Ihren Online Shop bzw. Ihre unternehmenseigene Website online gestellt und warten gespannt auf den erwarteten Besucheransturm. Es ziehen Tage, Wochen und Monate ins Land und es tut sich: Nichts. Rein gar nichts.

Konnten die Projektverantwortlichen Sie anfangs vielleicht noch zuversichtlich stimmen, indem sie Ihnen geschönte Analytics-Statistiken vorhielten – sperren Sie spaßeshalber Mal die IP-Range des eigenen Rechnerpools aus und sie werden erstaunt sein, wie viel „Traffic“ von Ihren eigenen Angestellten kommt, die verzweifelt und verwirrt im Shop rumklicken in der Hoffnung, das hätte irgendeinen Effekt aufs Ranking der Seite.

Spätestens beim Jahresabschluss fällt allerdings auf, wenn die präsentierten Analytics-Berichte keinerlei erkennbaren Zusammenhang mit dem finanziellen Betriebsergebnis Ihrer Unternehmung aufweisen. Was nützen Ihnen täglich zweitausend Seitenaufrufe, wenn diese von Bots stammen, die zwar Klicks simulieren aber niemals etwas bestellen können?

Und während Sie im ersten, vielleicht sogar noch im zweiten Jahr insgeheim darauf hoffen, dass Google sich mit der Zeit von alleine dazu aufraffen wird, Ihre Website prominent für wichtige Suchbegriffe zu listen, sollte Ihnen spätestens im dritten Jahr klarwerden: Nein, das ist eben NICHT normal, Jahre lang keinen Cent zu verdienen. Jetzt bleiben Ihnen verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Einsicht umzugehen. Die beliebteste besteht darin, die Schuld für die miserable Performance nicht bei den eigenen Mitarbeitern, dem eigenen Geschäftsmodell (…) zu suchen, sondern in abstrakteren Gefilden wie der schlechten Marktsituation (meine Wette: Die Nachfrage hat sich im Jahrestrend kein bisschen ins Negative verändert). Wie man nach mehreren Jahren plötzlich auf die vermeintliche Einsicht stolz sein kann, dass man Amazon als Konkurrent nicht stark genug eingeschätzt hat, bleibt mir wohl für immer ein Rätsel. Und lächerlich ist es irgendwo auch, denn wenn sich die Nachfragesituation nicht geändert hat und konstant neue Wettbewerber auf Ihren Markt dringen, während etablierte fleißig Content Marketing betreiben und in Besucherströme investieren, dann kann es ganz einfach nur an Ihnen liegen, wenn Ihr Geschäft nicht funktioniert.

Wenn Sie auf die Headline dieses Artikels geklickt haben, dann nehme ich an, Sie befinden sich gegenwärtig auch auf der Suche nach geeignetem und gleichermaßen bezahlbarem Marketing Personal weil Sie einsehen mussten, dass Ihre sechzig Jahre alte Buchhalterin in diesem Leben keine Social Media Expertin mehr wird und die Linkbuilding Skills des Praktikanten trotz großzügig bemessenem Budget für seine Fortbildung zum Thema via Udemy und Co. ebenfalls nicht ausreichen, um sich langfristig gegen Ihre Konkurrenz zu behaupten. Eine sehr gute Entscheidung! Wenn Sie jetzt alles richtigmachen, dürfen Sie sich bereits im nächsten Geschäftsjahr über schwarze Zahlen freuen und einmal richtig fest an die Stirn schlagen im Angesicht der zurückliegenden, vollkommen verschwendeten Jahre.

Die Hebelwirkung, die eine einzige zusätzliche Stelle im Unternehmen auf Ihren betrieblichen Umsatz haben kann, lässt selbst mich regelmäßig mit offenem Mund vor den Analytics-Berichten meiner Kunden sitzen. Und weil es für mich nichts Großartigeres gibt, als meinen Kunden zum durchschlagenden digitalen Erfolg zu verhelfen, möchte ich Ihnen an dieser Stelle ein paar wertvolle Tipps an die Hand geben, um die Suche nach einem Digital-Experten angenehmer und effektiver zu gestalten – denn noch schlimmer als weiterhin tatenlos zu bleiben wäre es, sich zusätzliche Fixkosten aufzuhalsen, die die eigenen Kosten nicht nur nicht reinholen, sondern durch schlechte Marketing-Entscheidungen auch noch für Mehrkosten an etlichen Stellen sorgen.

Softskills

Jetzt kann ich allerdings nicht von jedem Personaler erwarten, dass er sich bis ins kleinste Detail mit den fachlichen Anforderungen an moderne Marketer auseinandersetzt. Auf was sollten Personaler achten, wenn sie neue Köpfe fürs Digitalgeschäft rekrutieren? Richtig: Auf Softskills und Charaktereigenschaften, die den Unterschied zwischen „passabel“ und „ausgezeichnet“ bedeuten können. Anstatt Ihren zukünftigen Online Marketern eine Anforderungsliste zu präsentieren, auf denen dann „Freude im Umgang mit Menschen, PHP, C+ und Erfahrungen beim Thema Marketing Automatisierung“ abhakbereit aufgelistet sind, sollten Sie als Personaler zunächst auf ganz entscheidende, grundsätzliche Charaktereigenschaften achten, die einen wirklich guten Online Marketer von den ganz passablen unterscheidet.

Charaktereigenschaften erfolgreicher Online Marketer

Zunächst müssen Sie sich die Frage stellen, ob Sie als Chef / Inhaber bzw. die direkten Vorgesetzten des neuen Marketing-Verantwortlichen über ausreichende Kenntnisse beim Thema Digital Marketing verfügen. Wenn Sie der Ansicht sind, Ihre Entscheidungen stehen nicht zur Diskussion und Ihr OM ist lediglich ausführendes Organ, sollten Sie natürlich einen OM der Natur „Hund“ anstellen. Der Hund ist ein fleißiger, etwas blauäugiger Zeitgenosse, dessen Meinung sich im Sekundentakt der Meinung seiner Vorgesetzten anpasst. Er leidet, wenn sein Chef unzufrieden ist und sein Tag ist gerettet, wenn er kurz vor Feierabend ein Lob bekommt – sozusagen das menschliche Pendant zum Leckerli für den geliebten Vierbeiner. Den Hund interessiert es nicht, wenn Ihre Entscheidungen als Chef ganz klar Grütze und zum Scheitern verurteilt sind – solange er in regelmäßigen Abständen sein Leckerli bekommt, wedelt er fröhlich mit dem Schwanz und kommt am nächsten Tag auch gerne wieder ins Büro, um unbezahlte Überstunden abzuleisten.

Dem Hund ist das Geschäftsergebnis nur so lange wichtig, wie Sie ihm nicht versichern, dass ein paar Jahre in den roten Zahlen vollkommen natürlich sind und kein Grund, um die regelmäßigen Leckerlis zu bangen. Die Beziehung zwischen Chef und Hund ist eine Win-Win-Situation: Der Chef fragt den Hund zwar hin und wieder alibimäßig nach seiner Meinung; widerspricht diese jedoch der eigenen – die im Vorhinein feststeht und durch hysterisches Gekläffe vom verängstigten Hund in keiner Weise betroffen ist – wird der Hund zurechtgewiesen und daran erinnert, dass er lediglich ein dummer Hund ist. Wer als Außenstehender solche Situationen verfolgt, kommt sich nicht selten wie in einem klischeebeladenen Film vor. Wenn Ihre ureigene Unternehmernatur grundsätzlich Hunde bevorzugt, werden Sie bereits in paar davon in Ihrem Unternehmen beschäftigen. Kommt ein neuer Hund hinzu, können Sie regelmäßig dasselbe Schauspiel beobachten: Die Hunde fangen zu Bellen an und keiner gönnt dem anderen ein Leckerli vom Chef. Dabei lügen sie nicht einmal absichtlich und wissentlich.

Vielmehr ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass zu viele Hunde in einer einzigen Firma dafür sorgen, dass mehr gesnitcht wird als von Spitzeln in totalitären Regimen. Fehler werden fast immer auf andere Hunde geschoben, Ideen grundsätzlich als die eigenen beansprucht, selbst wenn diese nachweislich von anderen Hunden stammen, und Versäumnisse sind natürlich meistens die Schuld von… richtig: Anderen Hunden. Es genügt bereits, in einem von zehn Fällen die Schuld auf sich zu nehmen – vornehmlich wenn klar ist, dass der Fehler zwar schwer genug wiegt, um ihn zu erwähnen, aber überschaubar geringe Schäden fürs Unternehmen und entsprechend geringe bis gar keine Strafen nach sich zieht. Am effektivsten für die Karrierechancen des einzelnen Hundes ist es hierbei, gelegentlich Fehler auf sich zu nehmen, die ganz offensichtlich dem Zufall geschuldet sind oder gar eindeutig auf die Fehlentscheidungen Dritter (Hunde) zurückgeführt werden können. Beim Chef im Kopf bleibt hängen: Das ist ein artiger, ehrlicher Hund. Der nimmt sogar die Fehler anderer Hunde auf sich und opfert sich fürs Unternehmen. Das Ergebnis: Der Hund bekommt ein Leckerli extra. Alle freuen sich.

Solche Hundenaturen können Sie hervorragend in der Buchhaltung beschäftigen oder als Reinigungspersonal – im Online Marketing haben sie allerdings rein gar nichts verloren. Erst Recht nicht in Management-Positionen. Wenn Sie also einen Online Marketing Manager einstellen wollen, sollten Sie auf Signale achten, die auf eine Katzennatur schließen lassen. Dies beginnt schon bei der Bewerbung: Wenn die Person, die Ihr Unternehmen fit machen soll für die technologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die eigene Bewerbung in gedruckter Form einreicht, mit Passbild und tabellarischem Lebenslauf und 08/15-Anschreiben ohne eigene Note, sollte man eigentlich erwarten können, dass Sie als Chef hellhörig werden. Während es bereits ein schlechtes Zeichen ist, wenn sich Marketing Experten bei Ihnen bewerben und nicht andersrum – der Prozess der Personalrekrutierung hat sich für manche Berufe zumindest ganz einfach umgedreht – sollten spätestens bei derlei altbackenen Bewerbungen die Alarmglocken schrillen.

Online Marketer mit Erfahrung und Wissen, das Mehrwert bedeutet, sind äußerst rar und investieren Ihre Energie fast immer lieber in eigene Projekte als in die von Kunden. Geben Sie Ihr wichtigstes Keyword doch einmal in Google ein und überfliegen Sie die ersten fünfzig Ergebnisse. Die überwiegende Mehrheit davon sind direkte Konkurrenten, die ihre Webseiten und Online Shops ebenfalls von einem oder mehreren Marketing Managern betreuen und steuern lassen. Und während im PPC-Bereich einzig und allein das Budget über die Vormachtstellung entscheidet (Quality Ratings lasse ich hierbei der Einfachheit halber außen vor), entscheidet sich der Erfolg von SEO/SXO Anstrengungen mindestens zur Hälfte durch nicht-finanzielle Faktoren wie kreativem Content, einer smarten und zeitlich exakt geplanten Digital Strategie, dem richtigen Linkbuilding etc. An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen: Sie müssen mindestens (!) genau so gut sein, wie alle Ihre direkten und indirekten Konkurrenten, um überhaupt eine realistische Überlebenschance zu haben. Möchten Sie zu den Marktführern aufsteigen und ernsthaft Geld verdienen, müssen Sie entsprechend besser sein als die Konkurrenz. Womöglich nicht direkt Ihr gesamter Shop, aber zumindest (wie am Anfang des Artikels bereits angesprochen) einzelne Produktkategorien oder gar einzelne Produkte.

Und über diesen Umstand ist sich jeder fähige Marketer bewusst, was sich auch direkt in den Gehaltsforderungen widerspiegelt. Während Sie Putzfrauen vielleicht noch um den letzten Cent bescheißen können, wird Ihnen ein brauchbarer Marketer erst gar nicht erlauben, seine Gehaltsvorstellungen zur Debatte zu stellen. Sollten Sie es dennoch wagen, wird er vielleicht noch den Versuch unternehmen, Ihnen durch Gegenüberstellung seiner Performance und Kosten die Augen zu öffnen um auf seinen Wertbeitrag im Unternehmen hinzuweisen. Falls Ihr Digital Geschäft läuft, können Sie auf Eines zählen: Ihre Konkurrenz beobachtet jeden einzelnen Schritt den Sie machen in Echtzeit. Und ist jederzeit bereit und gewillt, Ihnen Ihre besten Köpfe ganz dreist abzuwerben. Ich selbst führe zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine ausführliche Liste mit interessanten Partnern und potentiellen Mitarbeitern für zukünftige und bestehende Projekte – keiner davon ist ohne Beschäftigung und es ist unwahrscheinlich, dass besagte Personen Gehaltsvorstellungen haben, die ich gegenwärtig bezahlen könne.

Als Unternehmer, der Hundenaturen bevorzugt, haben Sie sich über die Jahrzehnte wahrscheinlich eine leicht herablassende, „gönnerische“ Art angeeignet. Womöglich sind Sie der Ansicht, dass Ihre Angestellten froh sein müssten, überhaupt bezahlte Arbeit zu haben – ein untrügliches Zeichen dafür, dass Sie systematisch Personal anstellen, dass dumm genug ist, selbst Ihren zweifelhaftesten Befehlen Folge zu leisten und gerade clever genug, um die Mindestanforderungen des eigenen Stellenprofils zu erfüllen. Höchstwahrscheinlich ist Ihnen nicht einmal wirklich präsent, dass Sie unterbewusst gezielt nach hörigen Hunden Ausschau halten und nicht nach geskilltem Personal, das die Anforderungen der Zeit erfüllt. Jetzt können Sie weiter Hunde anstellen und sich über allmorgendliches Schwanzwedeln freuen, wenn Sie Ihr Büro betreten – oder Sie denken um und wagen mit der Einstellung Ihrer ersten Katze einen riskanten, aber notwendigen Schritt für die Zukunft Ihres Geschäftsmodells.

Die Katzennatur als optimale Charakterblaupause für Ihren Marketing Manager

Für Unternehmer, die sich ihr ganzes Leben mit dressierten Hunden umgeben haben, dürfte die Entscheidung für eine Katzennatur im Betrieb ein großer Schritt sein, die (hoffentlich!) mit einem leicht mulmigen Gefühl einhergeht. Denn schließlich beschäftigen Sie womöglich schon bald einen Kopf im Management, der gleichermaßen überlebenswichtig wie nervenaufreibend sein wird. Eines steht nämlich fest: Dumme Entscheidungen Ihrerseits werden als solche benannt, Ihr neuer OMM wird Ihnen mit Sicherheit erst einmal ausführlich darstellen, was für einen unsagbaren Mist Sie gebaut haben und welchen leeren Versprechungen Sie auf den Leim gegangen sind, obwohl jeder Fünfjährige mit Talent für Dreisatz und Rechnen bis zur dritten Nachkommastelle unmittelbar merken müsste, dass es sich bei besagten Versprechungen um nichts als Schlangenöl handelt.

Das tut weh, denn die Aussagen Ihres OMM basieren immer (!) auf unbestreitbaren Zahlen. Hoffentlich haben Sie es wenigstens hinbekommen, die zurückliegenden, verlustreichen Jahre sauber zu dokumentieren. Wahrscheinlich haben Sie die Kontrolle über Ihre Analytics allerdings längst aus der Hand gegeben und damit die Projektleitung, den Praktikanten oder das Rechnungswesen beauftragt. Während letzteres noch die vernünftigere Alternative darstellt und es dem Praktikanten naturgemäß egal ist, ob er gefeuert wird, weil Ihr Umsatz nicht stimmt, sind Zahlenwerke wie Ihre Analytics Chefsache und gehören niemals in die Hand jener Person(en), die die operative Performance Ihres Geschäfts zu verantworten haben. Ebenso gut könnten Sie die jährliche Personalbeurteilung vom Personal selbst durchführen lassen. Obgleich Garant für erfreuliche Updates zur Performance-Entwicklung, sind derart geschönte Leistungsberichte Gift für jede gesunde Digitalstrategie, denn schließlich leiten sich strategische Handlungsempfehlungen direkt von Ihren IST-Zahlen ab, die innerhalb einer Situationsanalyse im ersten Schritt einer jeden Strategieformulierung festgestellt werden.

Welche Eigenschaften zeichnen Ihren OMM als Katzennatur aber nun aus? Zuerst wäre da die Eigenständigkeit zu nennen, auf die Katzen großen Wert legen und ohne die nur ganz wenige Katzen überhaupt bereit sind, Verantwortung für die eigene Leistung zu übernehmen. Je weniger eine Katze zu entscheiden hat, desto entfremdeter fühlt sie sich von ihrer eigenen Arbeit. Entsprechend gering sind die Aussichten darauf, dass eine überwiegend „fremdgesteuerte“ Katze überhaupt das Gefühl bzw. Bewusstsein erlangt, für negative Konsequenzen der eigenen Handlung verantwortlich zu sein. Denn schließlich führt eine Katze ohne Eigenverantwortung nur Befehle aus und distanziert sich nach und nach von der eigenen Tätigkeit, bis zu guter Letzt nicht mehr übrigbleibt als zynische Bemerkungen, Lippenbeißen und Mit-den-Gedanken-ganz-woanders-sein. Dass es sich hierbei nicht um die Zutaten für einen durchschlagenden digitalen Geschäftserfolg handelt, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung. Was lernen wir daraus? Richtig: Maximale Eigenverantwortung, ein möglichst breiter Entscheidungsrahmen, leistungsabhängige Vergütung und nach Möglichkeit freie Zeiteinteilung.

Während Sie einem Hund jeden Arbeitsschritt in Sub-Schritte aufgliedern müssen, die zudem eine konkrete Zeitvorgabe beinhalten und bereits priorisiert sind, fühlen sich Katzen von einer solch peniblen Vorgaben eher beleidigt als entlastet – schließlich ist die Katze Ihr Experte und wurde nach eigener Auffassung gänzlich und allein für die Lösung von Problemen angestellt, für die weder Ihre Skills als Chef noch die Kenntnisse und Fähigkeiten anderer Beschäftigter im Unternehmen ausreichen. Während der Hund fröhlich mit dem Schwanz wedelt und vollkommen zufrieden ist, wenn Sie ihn loben – unabhängig davon, ob das Lob überhaupt verdient und gerechtfertigt ist oder lediglich eine oberflächliche Geste darstellt – wird eine Katze Sie für unverdientes Lob ebenso verachten wie fürs Ausbleiben von verdientem Lob. In den Augen der Katze sind Sie zuallererst ein Idiot, dessen Mangel an Anstand und Moral ihm die Ausbeutung dümmerer Menschen erlaubt. Die Katze ist weder beeindruckt von Ihrem Geschäftswagen noch glaubt sie auch nur eine Sekunde an die schwammigen Versprechungen, die die eigene Zukunft im Unternehmen betreffen. Während Sie eine Horde von Hunden mit Zuckerbrot und Peitsche indoktrinieren und in kürzester Zeit dazu bewegen können, in Reih und Glied zu marschieren und 1:1 zu wiederholen, was Sie als Chef – ergo „Gott“ – den lieben langen Tag an Ungereimtheiten so vom Stapel lassen. Die Katze identifiziert sich mit ihrer eigenen Arbeit, und die kann hervorragend sein, obwohl das Unternehmen gerade Insolvenz anmelden musste, oder unterirdisch schlecht, obwohl das Unternehmen gerade das beste Geschäftsergebnis in den fünfzig Jahren seines Bestehens zu vermelden hat.

Bei Katzen auf kollektive Bestrafung zu setzen, wie es beim Militär der Fall ist und weniger augenscheinlich auch in etlichen Betrieben, oder auf kollektive Begeisterung zur Installation eines dubiosen Wir-Gefühls (regelmäßig nichts als schön klingender Katalysator für alles vernichtende Schwarmdummheit) führt fast immer in mittelgroße Desaster. Der Katze ist es vollkommen schnuppe, was die restlichen Köpfe der Belegschaft / des Managements so denken und treiben, solange die eigene Arbeit davon nicht unmittelbar betroffen ist. Ihr Corporate Identity mag noch so Pulitzerpreis-verdächtig klingen – alles was die Katze daraus liest, ist: Die CI wurde von einem dritten Unternehmen in Auftrag formuliert und könnte ebenso gut die eines beliebigen Konkurrenten sein. Während der Hund die Unternehmensphilosophie ernst nimmt und in Teilen womöglich sogar auswendig kennt, hält die Katze jeden CI-Gläubigen für einen blauäugigen Dummkopf.

Oder eben für das, was er ja auch tatsächlich ist: Ein Hund, der einen Meister braucht, dessen Mission er sich als Lebensziel auf die Fahnen schreiben kann. Der fest davon überzeugt ist, dass nicht nur er seinem Herrchen bis zum bitteren Ende zur Seite steht, sondern auch sein Herrchen stets für ihn da sein wird. Die Katze hat längst verstanden, dass unsere moderne Wirtschaft so schlicht und ergreifend nicht funktioniert und ihr Besitzer sie ganz einfach einschläfert, sobald sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann.

           

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.