25Sep, 2017

Google hat sich über die Jahre den Ruf eines Unternehmens erarbeitet, das Usern Dutzende erstklassiger Produkte zum Nullpreis feilbietet. Dass die Großzügigkeit einzig und allein mit der Ansammlung möglichst vieler Nutzerdaten in Verbindung steht, liegt auf der Hand. Um SEO und die jüngsten Entwicklungen von Google zu einer einzigen Landingpage zu verstehen, ist es äußerst hilfreich, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie Google mit der organischen Suche Geld verdient: Nämlich gar nicht.

Das erfolgreichste Produkt von Google lautet allerdings „AdWords“ und meint damit die bezahlten Anzeigen, die über den organischen Suchergebnissen erscheinen. Während die beste bezahlte Position in den Suchergebnissen letztendlich vom Kapiteleinsatz abhängt – die bezahlten Ergebnisse werden in einem Auktionssystem versteigert – hängt das organische Ranking einer Website von mehreren Hundert Einflussfaktoren ab, die je nach Branche eine unterschiedliche Gewichtung erfahren. Die wichtigsten dieser Faktoren (also jene mit der schwersten Gewichtung) beinhalten u.a. Backlinks & Social Signals, Content und Pagespeed. Eine schnelle Seite mit tollem Content, die auch noch lange Verweildauern etc. aufweist, ist höchstwahrscheinlich auch für den User interessanter als eine Seite, die auf solche Faktoren gar nicht erst optimiert sondern ganz einfach Geld fürs Ranking bezahlt. Google verlangt also immer nach einer Gegenleistung: Entweder in Form von direkter Bezahlung (AdWords) oder eben, indem Kapital in die Qualität der Website investiert wird.

Das System dahinter ist also richtig smart: Die organischen Ergebnisse werten die Nutzerfahrung der Suchmaschine Google auf und sorgen somit durch die verstärkte Nutzung der Suchmaschine dafür, dass die Schaltung bezahlter Anzeigen für Unternehmen lukrativer wird, weil einer größere Nutzerbasis erreicht wird. Zudem vertrauen die Menschen den Suchergebnissen auf Google – viele sind sich wahrscheinlich überhaupt nicht bewusst darüber, dass die Webseiten in den Ergebnissen mit Google selbst nichts zu tun haben. Jedenfalls würde das die Gutgläubigkeit erklären, mit der User den Suchergebnissen in Google gegenübertreten. Das Tauschgeschäft ist im Grunde überaus fair: Webmaster erhalten wertvollen organischen Inbound Traffic im Gegenzug dafür, dass sie kontinuierlich versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen. SEO ist ein fortwährender Wettbewerb um die besten Landingpages. Für Unternehmen, die sich nicht zutrauen, die Besten der Besten herauszufordern, wird die Nacht also nicht besonders lang. Ebenfalls liegt durch den konstanten, intensiven Wettbewerb um die besten Rankings auf der Hand, dass eine geschickte Keyword-Recherche womöglich lukrative, aber bislang kaum vertretene Suchbegriffe aufdeckt. Die Faustregel hierbei lautet: Je höher der Wettbewerb um ein Keyword desto höher die AdWords Preise desto höher der Anspruch an Qualität der Inhalte, Backlink Portfolio etc. der organischen Ergebnisse.

Was sich zum Nachteil von SEO-affinen Webmastern bzw. Unternehmen auswirkt ist allerdings die steigende Tendenz Googles, in der Suchmaschine gestellte Fragen direkt zu beantworten, ohne den Besucher auf die Webseiten von Unternehmen zu leiten. Dies bedeutet, dass zwar die Inhalte aus den Webseiten Dritter präsentiert werden, dies allerdings unmittelbar in Google selbst geschieht. Für den User ist das um Einiges bequemer und für Google lukrativ, denn einerseits sorgen die „organischen Webmaster“ für eine immer höhere Qualität der Suchergebnisse, was die Nutzung der Suchmaschine und damit auch mittelbar das AdWords Geschäft blühen lässt. Andererseits verliert Google keine Klicks mehr an Webmaster, deren Geschäftsmodell ausnahmslos darauf beruht, dass User auf ihre Webseiten kommen um dort wiederum Werbung angezeigt zu bekommen, wodurch sich Webseiten überhaupt erst finanzieren lassen. Ebenfalls flach fallen Leads z.B. in Form von Newsletter-Anmeldungen, es kann kein Re-Targeting stattfinden und dass meine Webseite die beste Antwort liefert und diese Suchenden in Google präsentiert wird, lässt sich aus gewöhnlichen Analytics-Berichten auch nicht direkt lesen.

Der Leidtragende bei der Geschichte ist folglich der Webmaster, der so betrachtet zwar mit hochwertigem Content und toller Usability „in Vorlage“ geht, von Google allerdings viel weniger bis nichts mehr zurückbekommt. Es ist durchaus denkbar, dass Google in absehbarer Zeit überhaupt keine fremden Suchergebnisse mehr anzeigt, sondern sämtliche Antworten z.B. aus einer eigenen Datenbank bezieht – die sich womöglich aus den nunmehr unsichtbaren organischen Ergebnissen speist. Kommen wir also zurück zur Ausgangsthese: Google ist nicht dein Freund. Die Headline habe ich schließlich nicht gewählt als verzweifelte Form des Google-Bashings, sondern um eine wichtige Tatsache zu verdeutlichen, die erkennen lässt, warum eine effektive Marketing Strategie bzw. ein nachhaltiges digitales Geschäftsmodell niemals auf einer einzigen Traffic-Quelle basieren darf. So profitabel SEO-Traffic auch sein mag – wenn die (Um-)Gewichtung eines einzelnen Ranking Faktors unter Umständen bereits bedeutet, dass Ihr Geschäftsmodell den Bach runtergeht, weil Ihnen plötzlich 80% Umsatz fehlen, nur weil Ihre Webseite drei Plätze tiefer gerutscht ist, haben Sie ein schwerwiegendes Problem. Google möchte Geld verdienen. Sonst nichts. Denken Sie also stets aus der Sicht der Suchmaschine und stellen Sie die Frage, was aus deren Perspektive das Beste fürs eigene Geschäftsmodell ist. In der Regel ist die Antwort deckungsgleich mit der Frage nach dem Besten für die Benutzer der Suchmaschine – würde Google aus welchem Grund auch immer mit besonders schlechten Suchergebnissen mehr Geld verdienen, würden Sie als Webmaster wieder Gästebücher installieren, GIF-Animationen statt Icons verwenden usw.

Take-Aways:

  • Es gibt keinen kostenlosen Traffic. Sie bezahlen entweder für AdWords oder investieren in die Qualität Ihrer Website. Organischer Traffic setzt SEO voraus und SEO kostet Geld. Sogar einiges an Geld. Kurzfristig womöglich sogar mehr als die Schaltung von AdWords Anzeigen. Langfristig wird SEO allerdings immer das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bewirken – solange sie vom Fachmann geplant und sauber durchgeführt wird.
  • Ein Geschäftsmodell, das ohne Google Traffic nicht funktioniert, ist kein gesundes Geschäftsmodell. Diversifizieren Sie Ihre Traffic-Quellen so breit wie möglich. Google wird auch bei maximaler Diversifikation noch den Löwenanteil ausmachen, keine Sorge!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.