Wir haben nach fast zwei Jahren an Research und Development ein gleichermaßen holistisches wie pragmatisches Online Marketing Konzept entwickelt, mit dem wir in Zukunft unsere eigenen Projekte nicht nur wie gewohnt strukturiert planen und Schritt für Schritt zum Erfolg führen, sondern vor allem auch theoretisch entwickelte Geschäftskonzepte schnell am Markt testen und im Erfolgsfall nach Belieben skalieren können. OIODO schien Jean als Arbeitstitel für einen Artikel über die Digitalisierung von Hochschulen bzw, deren Marketinganstrengungen zur Rekrutierung neuer Studenten geradezu prädestiniert, denn während „Opt-In“ eine Anspielung auf jene Opt-In Formulare ist, über welche Besucher Ihre Kontaktdaten an die Betreiber der Website senden, ist „Drop-Out“ der englische Begriff für Studenten, die aufgrund schlechter Noten von der Universität fliegen – in unserem Falle meinen wir natürlich Unternehmen, die aus dem Markt „droppen“. OIODO hat sich also kurzerhand angeboten, uns als Akronym für unser eigenes strategisches Online Marketing Framework bzw. unsere agentureigene Methodologie zu dienen. Orientiert haben wir uns hierbei natürlich am SOSTAC-Framework von SmartInsights, welches als Industriestandard gilt und uns viele Jahre treue Dienste geleistet hat. Während SOSTAC in seiner ursprünglichen Fassung für mittelständische Unternehmen jedoch viel zu umfangreich und damit kostenintensiv ist, haben wir bei OIODO auf maximalen Pragmatismus geachtet.

Zum Inhalt von OIODO

Ein paar Worte von Jean Maurice:

So schaut es aus, das Schmuckstück. Jedenfalls die digitale Ausgabe. Für die Printversion habe ich mir etwas ganz spezielles ausgedacht…

Ich beschäftige mich seit nunmehr 15 Jahren sowohl privat als auch beruflich mit den Themenfeldern Werbung, Marketing und ganz besonders natürlich Online Marketing und würde mich selbst durchaus als Professional bezeichnen. Jedenfalls kommt es häufiger vor, dass befreundete Unternehmer der gleichen Branche mich um Rat fragen als andersrum. Als ich jedoch im Zuge meines Studiums eine Master Thesis über die Digitalisierung von Geschäftsmodellen bzw. deren Zukunft schreiben musste, verzweifelte ich beinahe an der weitgehend unterirdischen Literatur, die mir dafür zur Verfügung stand.

Entweder sind die Bücher dermaßen kompliziert geschrieben, dass man hinterher genau so schlau ist wie vorher. Es leuchtet ein, dass akademische Veröffentlichungen einem gewissen Anspruch genügen müssen und die Digitalisierung alleine nicht Grund genug sein kann, mit gängigen Konventionen bezüglich Inhalt und Form zu brechen. Ein Video mit Katzenbabys, die in einem Bobbycar die Straße entlangfahren und zu „YMCA“ tanzen, bleibt allerdings genau das – ganz gleich, wie krampfhaft versucht wird, Banalitäten in akademische Form zu pressen. Gleichzeitig tendiert der praktische Nutzen meist gegen Null, denn ohne vernünftigen Benchmark der eigenen Branche und vorherige Analyse des Geschäftsmodells handelt es sich bei den besten Empfehlungen lediglich um allgemeine, generische Aussagen.

Weil ich als Inhaber und Geschäftsführer eines kleinen Start-Ups großes Interesse daran habe, meinen eigenen Partnern und Mitarbeitern schnell und verständlich die wichtigsten Besonderheiten digitaler Geschäftsmodelle näher zu bringen, lag es nach Fertigstellung meiner Arbeit für mich auch auf der Hand, direkt mit der Arbeit an einem eigenen Werk zu beginnen, das ich nicht nur für eigene Zwecke verwenden, sondern auch guten Gewissens an interessierte Dritte vertreiben könnte.

Ein paar gedankliche Impulse:

  • Die Digitale Transformation ändert nicht nur gewohnte Geschäftsmodelle und interne Prozesse. Viel mehr ist eine Abkehr von konventionellen Denkmustern unumgänglich, um auf den wettbewerbsintensiven, digitalen Märkten überhaupt eine realistische Chance zu haben, als Brand nicht nur wahr- sondern vor allem ernst genommen zu werden.
  • Der gewöhnliche Marketingberater mit Schlips und Anzug lebt allerdings in einer Welt, die nach den Gesetzen und Wirkmechanismen der Old Economy funktioniert.
  • Erfolgreiches Online Marketing ist 2017 die Grundvoraussetzung für digitalen Erfolg. Während im klassischen Offline Geschäft noch Wertschöpfung und Alleinstellungsmerkmale durch Faktoren wie eine kompetitive Standortpolitik realisiert werden können, bedeuten die meisten Erfolgsfaktoren und Wettbewerbsvorteile online weitaus geringere Einflüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit als sich das die verantwortlichen Unternehmer beim Ausarbeiten ihres Geschäftskonzepts ausmalen.
  • Online Marketing orientiert sich einzig und allein an den Eigenheiten und Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe. Usability lautete die neue Religion digitaler Entrepreneure. Und Ihre Zielgruppe sitzt in aller Regel nicht im gestriegelten Anzug im Büro, wenn sie bereit ist, Ihre Werbebotschaft aufmerksam und interessiert zu erfassen und daraufhin die erwünschte Handlung durchzuführen.
  • Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihre Kunden im privaten Kontext als potentieller Problemlöser erreichen, ist äußerst hoch. Die Glaubwürdigkeit konventioneller Werbekampagnen tendiert gegen Null, was sich direkt in der CTR und anderen digitalen Erfolgskennzahlen bemerkbar macht.
  • Online bietet zahlreiche völlig neuartige und weitaus effektivere Methoden um das Neukundengeschäft anzufeuern und alte Kunden bei der Stange zu halten. Unternehmen, die jedoch neue Technologien nutzen, um damit längst veraltete Werbestrategien zu fahren, werden ebenso scheitern wie solche, die erst gar keinen Versuch unternehmen, online Fuß zu fassen.

Zur Vorgeschichte: Warum ich ein Buch / Konzept entwickeln MUSSTE

Als ich 2016 selbst damit konfrontiert war, eine Abschlussarbeit im Bereich Online Marketing schreiben zu müssen und gleichzeitig erste Erfahrungen mit einer eigenen Agentur machen durfte, war mir klar: Es besteht massiver Nachholbedarf was brauchbare Sachbücher zum Thema Online Marketing anbelangt.

Um digitale Strategien eigenständig planen und umsetzen zu können ist es unabdingbar, dass Sie zunächst die wichtigsten mentalen Frameworks – also „Denkmodelle“ – kennen lernen und verinnerlichen. Leider setzen die meisten Autoren von Sachbüchern für unsere Branche häufig Wissen voraus, das beim Leser überhaupt nicht vorhanden ist. Während sich Einsteigerliteratur gerne damit brüstet, auf unnötig komplizierte Fachterminologie zu verzichten (wobei gerade das Eindeutschen vermeintlich unklarer Englischer Begriffe aus meiner Sicht für noch mehr Verwirrung sorgt), entstehen die wirklich gravierenden Probleme (ergo: solche, die in Form von Aufwendungen oder verpassten Geschäftschancen richtig ins Geld gehen!) dadurch, dass im Kopf des Lesers kein „Bigger Picture“ entsteht.

Wüssten die meisten Geschäftsführer überhaupt, wie schlecht es um die IT-Qualifikation ihrer Mitarbeiter bestellt ist – ganz zu schweigen von den Mitarbeitern selbst – dann würde keiner mehr auf die Idee kommen, an der Stelle zu sparen. Und ganz besonders jene Unternehmer, die sich davon nicht angesprochen fühlen, sollten dem vorliegenden Buch zusätzliche Zeit widmen. Haben Sie erstmal verstanden, wie man Google richtig nutzt und inwiefern sich die wirtschaftlichen Interessen der großen Netzwerk- und Plattformbetreiber in den ihnen zugrundeliegenden Algorithmen widerspiegelt, sind Sie im Besitz einer kompetitiven Edge, die Ihnen gegenüber Ihrer Konkurrenz regelrechte Super-Power verschafft.

Einleitung

Mit dem technologischen Fortschritt der letzten Jahre hat sich auch das Marketing stärker denn je verändert. Der Kommunikationsprozess wird nunmehr vom Kunden selbst in Gang gesetzt, dessen sogenannte „selektive Aufmerksamkeit“ kostbarer ist denn und in Zeiten der alles umfassenden Digitalisierung als neue ökonomische Währung betrachtet werden muss. In OIODO habe ich den Versuch unternommen, die wichtigsten Änderungen und ihre Konsequenzen für effektives (Online) Marketing zu skizzieren. Der nur Unternehmen, deren Marketing Strategie auf die veränderten Rahmenbedingungen angepasst wird, haben überhaupt eine realistische Chance, mittelfristig am Markt zu bestehen. Nun gibt es für Unternehmen, die neu auf den Online Markt drängen möchten, einige Hürden zu nehmen, die von SEO und Marketing Agenturen nur allzu gerne verschwiegen werden. Bevor Sie als Unternehmen also auf die Versprechungen hereinfallen, die Ihnen verzweifelte Agenturen unterbreiten, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und den Auftrag zu erhalten, sollten Sie unbedingt Opt-In or Drop-Out lesen!

Warum es für dieses Buch Zeit wurde

Vielleicht haben Sie bereits das ein oder andere Buch zum Thema Online Marketing gesichtet und sind dabei das Gefühl nicht losgeworden, Ihr Geld verschwendet zu haben? Hätte ich bei meinen Recherche-Arbeiten auch nur einen einzigen brauchbaren Titel gefunden, würde ich mir das Verfassen dieses Buches sparen und ganz einfach auf bestehende Literatur verweisen. Habe ich allerdings nicht. Einsteiger Literatur zum Thema Online Marketing bietet meist wenig spezifische Handlungsanweisungen. So ist es vielleicht ganz nett, über zehn Seiten die exakte Berechnung des Google PageRanks darzustellen. Und mit Sicherheit schadet es auch nicht zum wiederholten Male darauf aufmerksam zu machen, dass Links und Inhalte fürs Ranking wichtig sind. Aber wie soll derlei grob gefasstes „Wissen“ zu einem Wettbewerbsvorsprung führen? Was nützt es angehenden Publishern oder Shopbetreibern um die Wichtigkeit von Links und Inhalten zu wissen, wenn unklar bleibt, welche Links denn konkret zu ergattern sind und wie genau Google die Qualität von Inhalten bewertet?

Dieses Buch beinhaltet das Fachwissen aus 15 Jahren Online Marketing. Und zwar aus Sicht eines Webmasters – nicht aus Sicht einer Agentur, die ihre Dienstleistungen an den Mann bzw. die Frau bringen möchte. Denn an der Stelle trennt sich regelmäßig die Spreu vom Weizen.

Die Hintergrundgeschichte

Warum ich glaube, dass eine gewisse Zielgruppe überaus stark von diesem Buch profitieren kann und warum diese Zielgruppe aus Menschen besteht, die bis gerade eben noch dachten, Marketing hätte hauptsächlich mit schmierigen Typen in Anzügen zu tun, die sich gegenseitig Awards verleihen für die teuerste Luxusautokinofilmwerbung des Jahres. Und warum Sie dieses Buch auch lesen sollten, selbst wenn Sie keinerlei Interesse am Marketing als wissenschaftlicher Disziplin hegen. 

Ich habe vierzehn Jahre lang Online Marketing betrieben, ohne je auch nur ein einziges Buch zum Thema zu lesen. Als ich mich im Zuge meiner Master Thesis Ende 2016 schließlich gezwungen sah, mir allerlei akademische und populärwissenschaftliche Literatur zu den Themen Geschäftsmodelle, Digitalstrategien und Co. zu Gemüte zu führen, wurde ich hinsichtlich meiner Erwartung gegenüber der Lesbarkeit von Fachbüchern über Geschäftsmodellinnovationen positiv überrascht. Tatsächlich sind die meisten Titel erstaunlich praxisnah und können auch von Laien mit ein wenig Nachschlagen verstanden und angewendet werden.

Im Gegensatz dazu konnte ich nur mit viel Mühe und Geduld überhaupt einen zitierbaren Titel finden, der sich mit Online Marketing im speziellen beschäftigt. Als Student ist man ja gewohnt, dass sich die Einarbeitung in neue Themengebiete anfangs bald unmöglich anfühlt und es meistens genügt, sich wiederholt mit der Materie zu beschäftigen, um binnen weniger Tage bereits die ersten einschlägigen „Aha-Effekte“ zu verzeichnen. Es ist also nichts Besonderes, wenn man das ein oder andere Kapitel gerade zu Beginn mehrmals liest und immer noch nicht so 100% sicher ist, ob man alles richtig verstanden hat. Deswegen hat die Evolution den Menschen schließlich mit formbarer Hirnmasse ausgestattet.

Das Thema meiner Hausarbeit war zwar in Teilen auch für mich neu – mit Geschäftsmodellen aus wissenschaftlicher Sicht hatte ich mich bis dahin lediglich in einem Kurs an der Universität beschäftigt – aber nachdem ich ein gutes Dutzend Fachbücher zum Thema Online Marketing durchblättert hatte und feststellen musste, dass mir viele Stellen selbst nach mehrmaligem Lesen verschlossen blieben, spürte ich eine leichte Wut in mir brodeln. Nicht nur, dass die Artikel und Bücher, an denen ich aus Zitationsgründen schwer vorbeikommen würde, unverständlich kompliziert geschrieben waren. Bei den meisten Autoren erschlich mich vielmehr das Gefühl: „Der Autor hat keinen blassen Schimmer, was er da gerade verzapft.“ Und wie, frage ich mich, sollen unbedarfte Laien ein Buch verstehen, wenn selbst ich als „Freak“ es nicht kapiere? Ganze BWL-Jahrgänge halten sich für SEO-Profis, weil die einschlägigen akademischen Marketing-Titel das Thema auf „Backlinks und gute Inhalte“ reduzieren?

Das ein paar dieser Titel obendrein mehrere Auflagen verzeichnen konnten, brachte das Fass in meinem Kopf zum Überlaufen. Wie kann es sein, dass Autoren, die offensichtlich über keinerlei praktische Erfahrung in Online Themen verfügen, mit dem Verfassen von Büchern Geld verdienen, während meine eigenen fachlichen Vorbilder im besten Fall regelmäßig Artikel in der Website Boosting verfassen? Und warum scheint dieser Umstand ein klassisch deutsches Phänomen zu sein, während die englische Literatur zu denselben Themen in der Mehrzahl der Fälle die fünf Sterne Bewertungen auf Amazon redlich verdient hat?

Dieser Gedanke lies mich nicht los und nach ein paar Tagen Grübelzeit hatte ich ein paar erste Theorien aufgestellt:

In Deutschland wird Online Marketing nach wie vor als eine Teildisziplin des Marketings verstanden; nicht als eigenständiges Fach. Natürlich kann man das argumentativ mehr oder weniger solide verteidigen. Man läuft allerdings Gefahr zu übersehen, dass sich Online und Offline nicht nur hinsichtlich technischer Feinheiten unterscheiden, sondern ganz anderen Spielregeln unterworfen sind. Zwischen 1980 und 2017 haben sich mit der Technologie auch das Selbstverständnis des Konsumenten (v.a. seine Macht als Influencer) sowie der Kaufprozess (die Consumer Journey) von Grund auf geändert. Wenn eine Koryphäe wie Prof. Meffert in der fünfhundertsten Auflage seines Marketing-Grundwerkes dann dreißig Seiten Online Marketing miteinbringt, täuscht das dennoch nicht darüber hinweg, dass diese dreißig Seiten unmöglich gehaltvoll sein können, ohne den vorangegangenen und nachfolgenden Ausführungen teils eklatant zu widersprechen. Der Verlag dahinter kann sich dennoch sicher sein, dass 90% der Marketing-Professoren in Deutschland das ihnen zur Verfügung stehende Budget für neue Literaturanschaffungen dazu nutzen werden, um Titel zu kaufen, die ihnen vertraut sind. Jedenfalls kann sich der Professor auf diese Weise sicher sein, keinen fachlich fragwürdigen Rotz in die Bibliotheksregale liefern zu lassen, während etablierte Autoren für sichere Absatzprognosen seitens des Verlags sorgen, während die Finanzierung von Print-Titeln unbekannter – dafür fachlich qualifizierterer Autoren – stets mit erhöhtem Risiko einhergeht. An der Stelle muss ich allerdings einwerfen, dass Meffert gemeinsam mit seinem Sohn ein großartige Buch veröffentlicht hat, welches die Thematik Digital Marketing wirklich richtig gut durchleuchtet.

Gehen wir dieser Hypothese gedanklich nach, erklärt sich auch der Status Deutschlands als „digitales Entwicklungsland“:

  • Professoren bestellen Literatur etablierter Autoren – meist anderer Professoren – die sich ihre Sporen in eine Zeit verdient haben, als die heutigen Lehrstuhlinhaber selbst noch Studenten waren.
  • Unbedarfte Studenten schenken den Literaturempfehlungen ihrer Professoren Glauben und lesen diese mit weniger kritischem Blick. Widersprechen dort enthaltene Thesen der täglich erfahrenen Lebensrealität, wird dies mit einem Achselzucken unter der eigenen Begriffsstutzigkeit verbucht.
  • Das Prinzip „Recht hat die größere Zahl“ greift zuverlässig & eine weitere Generation von Betriebswirten strömt in die Marketingabteilungen deutscher Unternehmen nur um dort mit einer Realität konfrontiert zu werden, die sich von den Hypothesen hiesiger Fachbücher nicht eklatanter unterscheiden könnte.

Wie sich unschwer erkennen lässt, kommen wir auf althergebrachte Weise also weder auf individual- noch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene weiter. Was aber machen? Soll Deutschland in Ewigkeit den Status einer losen Versammlung von Marketinglegasthenikern innehalten? Möchten wir in der Wahrnehmung unserer ausländischen Unternehmerfreunde allen Ernstes weiterhin als Werbehinterwäldler und Technologieversager präsent sein, die ihre wirtschaftliche Zukunft mangels besseren Wissens ohne flaues Gefühl in der Magengegend in der Massenproduktion erstklassiger Automobile verorten, während Uber gerade dabei ist, den ersten Menschen zum Mond zu beamen? No way!

Allerdings tragen nicht nur Unternehmen einen riesigen Nachteil, wenn sie gerade jetzt – im Jahre 2017, wo im Monatstakt technologische Innovationen auf die Märkte strömen, von denen Manche wie Virtual Reality und Wearables womöglich sogar das Zeug haben, die Art, wie wir werben und beworben werden, ein weiteres Mal von Grund auf zu revolutionieren.

Auch der einzelne Mensch ist von der Digitalisierung stärker betroffen als von jeder anderen gesellschaftlichen Revolution in der Vergangenheit. Dabei ändert sich die Umwelt schneller, als der Mensch mithalten kann. Uns ist noch gar nicht so richtig ins Bewusstsein gerückt, wie sich mit der Welt als Ganzes zwangsweise auch der Mensch als Individuum verändert hat und weiter in zunehmendem Tempo verändern wird. Nur führt diese steigende Veränderungsgeschwindigkeit zu unzähligen weiteren, teils in ihren Konsequenzen kaum vorhersehbaren gesellschaftlichen Effekte. Der Mensch ist binnen weniger Jahre zum Spielball eines Systems geworden, das als Gefängnis keine Wärter mehr braucht. Während seine Aufmerksamkeit seit jeher einen gewissen wirtschaftlichen Wert besitzt, lässt sich der Mensch heute nicht nur rund um die Uhr über alle möglichen, miteinander vernetzten Geräte erreichen –  er ist sich dessen in den entscheidenden Momenten häufig auch gar nicht bewusst und kann so mittels unterschwelliger Beeinflussung (Techniken wie das „Nudging“ werden in den folgenden Ausführungen noch ausführlich beschrieben) nicht nur von Werbetreibenden zum Kauf von Produkten, sondern auch von Politikern zum Setzen des Kreuzes an der gewünschten Stelle getrieben und sonst wie konditioniert und beeinflusst werden.

Das Perfide an diesem System ist also gar nicht Mal der Umstand, dass wir von „fremden Mächten“ beeinflusst würden, sondern vielmehr, dass wir auch noch diese vermeintlich fremden Mächte sind. Denn nur durch unsere aktive, konstante Nutzung von entsprechenden Geräten und Medien können die Algorithmen der sozialen Netzwerke, Suchmaschinen usw. sich überhaupt ein Bild von uns machen und entsprechend unserer spezifischen Verhaltensmuster mit passgenauen Werbeanzeigen (Art, Inhalt, Timing, Platzierung, Zeitpunkt etc. können automatisch personalisiert werden) und (mehr oder weniger) redaktionellen Inhalten aufwarten.

Was wir gegenwärtig miterleben können, wenn wir aufmerksam hinsehen und über ein paar Dinge informiert sind, ist das größte psychologische Experiment der Menschheitsgeschichte. Und dieses Experiment beinhaltet nach meinem Dafürhalten mehr Chancen als Gefahren. Um von der Digitalisierung in ungeahnt positiver Weise zu profitieren, benötigt man aber zwingend das Wissen über die ihr zugrundeliegenden Spielregeln. Dabei ist mein eigener Horizont als Autor eines Marketing-Buches natürlich gleichermaßen vorgeprägt („geprimed“) und eingeengt („geframed“), weswegen ich für meine Thesen auch keine Geltungshoheit in anderen Bereichen als dem Digitalmarketing beanspruche. Dennoch weise ich bereits an dieser Stelle darauf hin, dass sich das Online Marketing hervorragend dafür eignet, die psychologischen wie gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung auf den Menschen zu widerspiegeln, denn schließlich manifestiert sich das Verhalten und Denken einer modernen Gesellschaft in Form von Online-Inhalten und messbare Reaktionen auf ihre Veröffentlichung.

Dass an dieser These was dran sein muss, zeigt bereits der Umstand, dass für die Produktion und Verteilung besagter Internet-Inhalte irgendwer bezahlt wird und die Daten, die aus der Interaktion zwischen jenen Inhalten und ihren Rezipienten entstehen, für bares Geld an Dritte verkauft oder selbst zur Ausspielung passgenauer Werbung oder für eine andere Art der Verhaltensbeeinflussung mit dem Ziel eines Kaufs, einer Wahl oder der Etablierung einer inneren geistigen Einstellung verwendet werden.

Sie sehen also bereits im Vorwort, dass es sich durchaus auch für Nicht-Marketer lohnen kann, das vorliegende Buch zu lesen. Mir wäre auch ein Gefallen damit getan, ursprünglich Des-Interessierte zu einer Karriere im (Online) Marketing zu bewegen. Denn Fähigkeiten, die derart starken Einfluss auf das Denken und Handeln ganzer Gesellschaftsschichten (sogenannter „Zielgruppen“) ermöglichen, werden in den Händen einiger Weniger schnell zu Gefahr.

Zum Aufbau des Buches

Das Buch ist nach neusten Erkenntnissen der Neurowissenschaften aufgebaut, die ich mir selbst wiederum aus Fachbüchern abgeschaut habe, die im Vorwort dasselbe behaupten. Soll heißen: Ich bin kein Neurowissenschaftler und kann auch nur die Quellen wählen, denen ich am meisten Beachtung und Glaube schenken möchte.

Diese Erkenntnisse habe ich um meine eigenen Lernerfahrungen in acht Jahren Hochschulstudium ergänzt um so ein gesundes Mittelmaß zu finden zwischen dem, was für mich selbst als ziemlich eigenen Lerntypen funktioniert und dem, was der Literatur und ihren Statistiken zufolge nach für das Groß der restlichen Lernbegierigen gilt. Ich habe im Vorfeld stichwortartig festgehalten, was mich selbst an konventioneller deutscher Marketing-Literatur stört und diese Punkte versucht, nach Möglichkeit zu vermeiden.

So habe ich möglichst viel mit Visualisierung gearbeitet, den Ton bewusst locker gehalten und Sätze (entgegen meiner Gewohnheit) so kurz und knackig wie möglich. Zusätzliche Differenzierung habe ich fraglos durch meine eigenen Illustrationen sichergestellt, die ich im Original auf meiner persönlichen Website unter jeanport.de/oiodo veröffentlicht, für das vorliegende Buch allerdings von meiner langjährigen Freundin Birte habe re-illustrieren lassen. An der Stelle ein herzliches Dankeschön!

Nach der Lektüre des Buches sollen Sie…

Das Internet und Ihre Funktion darin mit anderen Augen betrachten

  • Auf den ersten Blick die Funktionsweise einer Website erfassen und erklären können: Wie hält sich die vorliegende Website am Leben? Welchen Zweck verfolgt sie womöglich? Wie einfach kann ich sie kopieren?
  • Eigene Marketing-Hypothesen „semi-wissenschaftlich“ bzw. deduktiv bewerten können durch entsprechende Online-Tools zur Datenanalyse du Co.!
  • Den Alltag auf „Werbe-Touchpoints“ untersuchen um dadurch mit verändertem Blick durch eine Welt zu gehen, die plötzlich an jeder Ecke mit wertvollen Insights und Chancen auf uns wartet. Sie werden den Alltag wieder farbenfroh und mit den Augen eines Kindes erleben, denn es gibt täglich zu entdecken, zu lernen und zu staunen
  • Indem Sie erfahren, wie wertvoll Ihre eigene Aufmerksamkeit ist, werden Sie am laufenden Band auf neue, spannende Geschäftsmodelle stoßen. Dies erhöht automatisch die subjektiv erfahrene Lebensqualität weil sie zu einer Art „Alltags-Forscher“ werden. Plötzlich können selbst die einsamen Minuten im Bad zu einem spannenden Abenteuer werden.

Lernziele des Buches

Mein Anspruch besteht darin, dass Sie in jedem Kapitel ganz konkrete Lernerfolge erfahren und nach der Lektüre des Buches eine neue Sicht auf die Welt erlangt haben die ihren Alltag bereichert. Weil es für ihr Gehirn einfacher ist, sich die Kernaussagen aus jedem Kapitel zu behalten, wenn diese wiederholt formuliert werden, habe ich diese am Ende jedes Kapitels in verdichteter Form in sogenannten „Lernboxen“ subsumiert. Zusätzlich habe ich zwar darauf geachtet, dass Sie das Buch gemütlich als Nachtlektüre an einem Stück durchlesen können, ohne von störenden Übungen unterbrochen zu werden. Der Lerneffekt steigt aber natürlich mit dem Grad der Interaktion, weshalb ich Ihnen in Ihrem eigenen Interesse dazu raten würde, die beilegten Frameworks, Modelle und Checklisten aufmerksam zu studieren und zu bearbeiten. Denn gerade dies ist die fundamentalste Veränderung, die das Marketing durch das Zusammenspiel von riesigen Datenmengen und smarten Computeralgorithmen erfasst hat: Von einer vielerorts als Laberfach belächelten, zu Unrecht akademisierten Pseudowissenschaft hin zu einem ernstzunehmenden strategischen Management-Tool, das die analytische, datengestützte Entscheidungsfindung im Unternehmen voraussetzt und das Marketing technisiert.