Online Marketing verändert sich konstant, rasant und radikal. Neue Technologien führen zu verändertem Nutzerverhalten, aufsteigende und fallende Plattformen lassen unsere relevanten Zielgruppen Mal hier, Mal dort in Mehrzahl „rumhängen“ und während die ein und selbe Kampagne Heute noch zu beeindruckenden Conversions führt, wird sie Morgen bereits dank Wear-Off-Effekt an Effektivität eingebüßt haben und Übermorgen womöglich vollkommen ineffektiv geworden sein.  Schauen wir uns also ein paar der wichtigsten Marketing Trends für den Rest des Jahres 2017 an – bevor dann ab Dezember die Headlines der Branchenblogs die Title wieder zu 2018 ändern in der Hoffnung, dass niemand merkt, wenn seit Jahren lediglich die Jahreszahlen ausgetauscht werden (keine Angst, bei DMT wird’s 100% frischen Content geben!).

Trotz weiter medialer Coverage des Phänomens der „digitalen Transformation“ und der mittlerweile doch sehr verbreiteten Einsicht, dass ein verändertes Konsumentenverhalten, neue Technologien usw. auch in der unternehmensinternen Digitalstrategie Abbildung finden müssen, haben fast die Hälfte der von SmartInsights jährlich interviewten Unternehmen nach wie vor keine „richtige“ Online Marketing Strategie. Vielleicht erkennt ja das ein oder andere Unternehmen nach diesem Artikel die Notwendigkeit bzw. Sinnhaftigkeit einer integrierten, digitalen Marketingstrategie.

Mobile Marketing

Mehr als 50% aller Suchanfragen werden über Smartphones gesendet.

  • 90% der Facebook User greifen via Mobiltelefon auf die Plattform zu
  • 80% der Werbeeinnahmen von Facebook werden über Mobiltelefone generiert – somit ist auch 80% des Traffics, den werbetreibende Unternehmen von Facebook erwarten können, mobiler Natur und muss mit entsprechend gestalteten Landingpages beantwortet werden.
  • 90% der Gesamtzeit, die Nutzer von Mobiltelefonen an ihrem Gerät sind, wird in Apps verbracht

Wie die Ofcom Studie vom Dezember 2016 erkennen lässt, wäre ein strikter Fokus auf „Mobile First“ allerdings verkürzt gedacht, denn die Allermeisten User verfügen über mehrere Devices und nutzen regelmäßig auch den Second bzw. Third Screen, häufig simultan – bspw. schaut ein User ein Fußball Spiel auf dem Fernseher, kommentiert die Ergebnisse im WhatsApp Gruppenchat mit seinen Freunden und nutzt zeitgleich sein iPad, um beim Sportwetten Anbieter seines Vertrauens Livewetten zu platzieren.

                                          Quelle: Ofcom Studie (2016)

Entsprechend einleuchtend ist auch die Empfehlung von comScore, eine Multi Device Strategie zu fahren, um für ein ganzheitliches Nutzerlebnis zu sorgen, denn in den allermeisten Ländern herrscht ein bunter Mix aus verschiedenen Endgeräten vor:

                                          Quelle: comScore (2017)

 

Messaging Apps & künstliche Intelligenz

Mittlerweile verfügt praktisch jedes soziale Netzwerk über eine dedizierte Messaging App um Usern zu ermöglichen, außerhalb der jeweiligen Plattform mit der dort vorhandenen Userbasis bzw. dem eigenen Freundes- und Fankreis zu kommunizieren. Wir können damit rechnen, dass vereinzelt Optionen für bezahlte Werbung angeboten werden, allerdings wird sich diese mit Sicherheit in Grenzen halten, um die User nicht zu vergraulen. Interessant für Unternehmen sind in dem Kontext vor allem Chatbots und Channeling-Solutions, die die Kommunikation aus verschiedenen sozialen Netzwerken, E-Mail etc. in einer einzigen App zusammenbringen. Chatbots sind ein insgesamt betrachtet eher jüngeres Phänomen. Das Investment von Google in die eigene Assistance-Technologie lässt allerdings erahnen, wie lukrativ der Markt in Zukunft sein wird. Durch intelligente, selbstlernende Algorithmen wird es schon bald zur Normalität gehören, per Chatbot z.B. Tische in Restaurants zu reservieren.

Künstliche Intelligenz ist wohl fraglos DAS Zukunftsthema überhaupt und vor gar nicht allzu langer Zeit noch utopisches Zukunftsgeflüster steht gegenwärtig kurz vor der Schwelle zur Marktreife. Intelligente Assistenten jedenfalls stellt mittlerweile jedes größere Techunternehmen seinen Kunden zur Verfügung: Microsoft hat Cortana, Apple Siri, IBM Watson, Facebook seine Bot Engine für den Messenger und Amazon stürmt die heimischen Wohnzimmer der Welt gerade mit seinen „Echo“ Assistenten. Nicht umsonst also bezeichnet TechCrunch Chatbots als „the biggest thing in tech“, weil sich damit die Möglichkeit entfaltet, personalisierte, interaktive Kommunikation zu ermöglichen, die quasi zu Nullgrenzkosten skalierbar ist – wobei es sich um ein Phänomen handelt, das die meisten digitalen Strategien erst so richtig interessant werden lässt.  Künstliche Intelligenz ist praktisch alles, was menschliche Intelligenz zu imitieren versucht. Entsprechend vielzählig sind die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben: Stimm- und Bilderkennung, Techniken des maschinellen Lernens, semantische Suche etc.

AI Technologien und Techniken im Kontext des Customer Lifecycle

Die für uns interessanten AI-Techniken bestehen natürlich aus solchen, die für KMU erschwinglich und einfach implementierbar sind – nicht nur für riesige, kapitalstarke Konzerne. Den Customer Lifecycle bzw. Marketing Funnel bilden wir im RACE-Framework ab, welches die verschiedenen chronologischen Etappen vom Erstkontakt zwischen Konsument und Unternehmen bis zum wiederholten Kauf, Weiterempfehlung an Freunde etc. abbildet. Wer sich für die einzelnen Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten in der jeweiligen Etappe des Customer Lifecycles interessiert, sollte sich den entsprechenden Artikel nicht entgehen lassen 😉

Marketing Technologie

Die Stärke eines Digital Marketers bedingt sich durch eine Kombination aus individueller Erfahrung und Wissen, eingesetzter Technologie und Daten, mit denen ich jene Technologie speise. Während es für größere Unternehmen sinnvoll sein kann, sich aus den zig hundert verfügbaren Anwendungen pro Kategorie ein individuelles Set zusammen zu stellen, dass die speziellen Erfordernisse der Organisation besser abbildet als eine Komplettlösung, empfiehlt sich alleine aus Gründen der Komplexitätsreduktion für KMU grundsätzlich der Rückgriff auf Marketing Clouds von Adobe, HubSpot, Infusionsoft, Marketo oder Salesforce.

Marketing Automatisierung, Web Personalisierung etc. sollten 2017 wirklich bei jedem Unternehmen, das im Internet nach Umsätzen lechzt, ganz oben auf der To-Do bzw. To-Buy Liste stehen. Während etliche Funktionen, besonders die Standardfunktionen der oben aufgezählten Cloud-Anbieter, längst State-of-the-Art sind, gehören andere wie Predictive Analytics noch zur näheren Zukunftsmusik und für kleinere Unternehmungen (noch) nicht wirklich sinnvoll einzusetzen – weder unternehmenspraktisch noch aus ökonomischer Perspektive.

Marketing Techniken

Während es unwahrscheinlich ist, dass sich in absehbarer Zeit das Inbound Marketing Rad selbst neu erfindet, werden aufsteigende neue Plattformen und Apps sowie gewisse Technologien wie Virtual Reality Brillen durchaus dafür sorgen, dass auf einer Ebene weiter unten neue Impulse fürs (Online) Marketing gesetzt werden. Wichtig ist neben empfehlenswerten Techniken auch jene zu identifizieren, deren Einsatz zu Problemen führen kann. So hat Google jüngst ein Update veröffentlicht, das Pop-Up Werbung auf mobilen Websites abstraft – einfach, weil die User Experience extrem darunter leidet.

Um mit neusten Marketing Techniken auf der Höhe zu bleiben, empfiehlt es sich u.a., regelmäßig im DMT Blog vorbeizuschauen, in dem ich unter anderem in einem gesonderten Artikel eine Reihe von Marketing Techniken aufgelistet und kommentiert habe, die mir in den letzten paar Monaten auf unterschiedlichen Webseiten vor die Flinte gerannt sind. Unternehmen, die sich mit verfügbaren Techniken für ihr Online Marketing beschäftigen, sollten neue Techniken grundsätzlich zunächst für Satelliten oder Assets auf Seiten Dritter verwenden und nicht auf dem offiziellen Facebook Account z.B. mit Bots spielen oder automatisiertes Linkbuilding auf die Hauptpräsenz und damit Money Site des Unternehmens anwenden. Wer sich nicht sicher ist, kann jederzeit DMT nach Hilfe fragen – wir entwickeln gerne die notwendige Testumgebung und achten darauf, bestehende Assets nicht in Mitleidenschaft zu ziehen.

Content und Inbound Marketing

Eines steht außer Frage: Wer 2017 noch nichts von Content bzw. Inbound Marketing weiß, der hat entweder ein gravierendes Problem oder einige erfreulich lukrative Marketing Kampagnen vor sich liegen. Unser Verständnis von Content Marketing in einem Satz: Content Marketing bezeichnet die Art und Weise, wie ein Unternehmen eigene oder fremde Inhalte erstellt bzw. bearbeitet, verbreitet und verwaltet um neue Kunden zu akquirieren und Bestandskunden bei der Stange zu halten, sich einen Ruf als Experte und Fachmann sichert und bei der eigenen Zielgruppe letztendlich eine Verhaltensänderung hervorruft. Und obwohl Content Marketing bereits seit Jahren das Mittel der Wahl für nahezu alle Unternehmen ist, die online Umsätze generieren, stehen wir Deutsche im internationalen Vergleich noch ziemlich weit hinten – vielfach wird überhaupt kein wirkliches Inbound Marketing betrieben und die statische Website erfüllt keinen weiteren Nutzen als die Kontaktdaten des Unternehmens online verfügbar zu machen. Deutsche Unternehmen und besonders Einzelunternehmer wie Zahnärzte, Rechtsanwälte und Unternehmensberater besitzen häufig großes Potential in Richtung Content Marketing – man denke allein an den Content, der in Form von zu Studienzeiten verfassten Hausarbeiten vorliegt und häufig nicht sinnvoll verwertet wird. Warum diesen nicht einfach schnatz herrichten, eine Content-Strategie entwickeln und von längst erledigter Arbeit quasi doppelt und dreifach profitieren?

Content Marketing im Customer Lifecycle

Idealerweise orientiert sich Ihre Content Marketing Strategie am Customer Lifecycle und damit an der jeweiligen Etappe, in welcher sich der Rezipient Ihrer Online Inhalte im Kaufprozess gerade befindet, um mittels Inhalten zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Kontext die nötigen Impulse zu senden, Fragen zu klären und Unsicherheiten zu nehmen. Content ist folglich nie Selbstzweck – jedes Content Asset verfolgt ein übergeordnetes Ziel!

Kombiniertes Lifecycle Marketing Management

Dass Zielgruppen auf unterschiedlichen Endgeräten und Plattformen gleichzeitig unterwegs sind, ist mittlerweile bei den meisten Unternehmen, die Online Marketing betreiben, angekommen und widerspiegelt sich hoffentlich auch in deren Digitalstrategie. Werbetreibende Unternehmen können sich diesen Umstand zunutze machen, indem z.B. mehrere Channel in einer einzelnen Werbekampagne kombiniert werden, um Synergieeffekte zu erzielen. So verstärkt sich der Impact einer Werbekampagne bspw., indem Rezipienten Display Werbung auf Facebook präsentiert wird bevor diese eine E-Mail in ihre Inbox erhalten, welche durch die vorangegangene Werbung eine höhere Opening Rate verzeichnet als ohne kombinierte Werbeschaltung auf Facebook.

 

 

 

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